Auf der TAB #6 Ausstellung in der Kaiserpassage am 16. April 2016 habe ich als
bildender Künstler teilgenommen. Neben meinen LETTER GEBRETTER™
Leinwänden, habe ich mit 1 GRAMM WAHRHEIT™ zusätzlich eine kontextbezogene,
kritische Performance gezeigt.

Mit 1 GRAMM WAHRHEIT™ habe ich im Umfeld des Bahnhofsviertels den
doppelmoralischen Umgang mit der Wahrheit demonstriert.
In einer Gegend, die von Prostitution, organisierter Kriminalität, Korruption,
Gentrifizierung, Drogenhandel, Drogenkonsum und Mietwucher dominiert wird,
habe ich dieselben Mittel genutzt, um die Wahrheit offenzulegen.

Das Spiel mit der Neugier, das unmoralische Angebot, die Wahrheit
„kaufen“ zu können, habe ich mit der absoluten Abstinenz von Illusionen
durchgeführt. Das Angebot von 1 GRAMM WAHRHEIT™ war,
Wahrheit grammweise kaufen zu können.
Für die Form habe ich die Ästhetik und den Ablauf eines Drogendeals gewählt.
1 GRAMM WAHRHEIT™ war szeneüblich verpackt, und wurde vor den Augen des Publikums
angeboten und abgewogen. Hierbei war es nicht wichtig, ob der Kauf vollzogen wurde.
Allein die Auseinandersetzung mit dem Angebot hat das Konzept bestätigt.

Der/die potentielle/n Käufer/in wurde im Vorfeld auf die Risiken des Konsums
der Wahrheit hingewiesen. Es wurde transparent gemacht, dass sich in den
Packs nichts als die Wahrheit verbirgt. Den Konsumenten wurde freigestellt,
sich der Wahrheit sofort, oder später zu stellen. Sie zu teilen, oder für sich
zu behalten.

Inhalt der 75 Packs von 1 GRAMM WAHRHEIT™ waren von mir getextete Wahrheiten,
die sich kritisch mit dem Kontext der Ausstellung auseinandergesetzt haben.
Dinge, mit denen man sich ausdrücklich nicht befasst, während man mit einem Getränk
in der Hand auf einer Ausstellung im Bahnhofsviertel verweilt.
Durch seine Anwesenheit auf der Veranstaltung hat man aber dazu beigetragen, die alltägliche Realität
des Ortes zu verschleiern. Genau das wollte ich aufzeigen.

Von 75 produzierten Wahrheiten wurde über 60 mal 1 GRAMM WAHRHEIT™ verkauft.
Über die Wahrheit, die durch den Kauf erfahren wurde, hat sich niemand beschwert.
Auch, oder vor allem, wenn die Wahrheit nicht geschmeckt hat. Zum Nachdenken
hat es allerdings wesentlich mehr als 60 Menschen angeregt.

Die zahlreichen Gespräche, und die Reaktionen rund um die Performance haben das
Projekt nicht nur bestätigt, sondern auch die eigenen Erwartungen übertroffen.
Ich freue mich, mit dieser Aktion den einen oder anderen Gedanken ausgelöst zu haben.

Mit dem erzielten Betrag habe ich die Unkosten der Veranstaltung teilweise refinanzieren können.
Aber nur teilweise. Ich habe also nur durch den Verkauf der Wahrheit die realen Kosten decken
können, die mir für die Ausstellung entstanden sind. Oder anders: Hätte ich die Wahrheit nicht
verkauft, hätte ich in Wahrheit ordentlich draufgezahlt.

Before the truth is going to be told, it’s going to be sold.

Mit Dank an alle Beteiligten, und besonders an hoodlens für die Fotos.

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